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 Betreff des Beitrags: Darling Jim von Christian Moerk
BeitragVerfasst: Mo 2. MĂ€r 2009, 16:00 
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Registriert: Do 6. Nov 2008, 15:28
BeitrÀge: 25
Das MÀrchen vom bösen Wolf...

... oder von dem, der auszog die Walsh-Morde zu klÀren


Es war einmal in Malahide, da lebte ein BrieftrĂ€ger namens Niall und behaglicher Ruhe. Doch eines Tages stolperte er in der Arbeit plötzlich ĂŒber ein mysteriöses BĂŒchlein, das sein Leben von nun an verĂ€ndern sollte. Denn das BĂŒchlein vermochte eine grausame Tat zu klĂ€ren, nĂ€mlich den grausamen Tod von Moira Walsh und ihren beiden Nichten Fiona & RĂłisĂ­n aus der Strand Street Nummer 1. Niall war sehr mutig und so begab er sich auf ihre Spuren und in ihre todbringende Vergangenheit...

Oft hat man schon Diskussionen darĂŒber mitbekommen, ob die MĂ€rchen der GebrĂŒder Grimm zu grausam sind. BefĂŒrworter dieser Theorie sollen Christian Morks Roman "Darling Jim" lesen um zu wissen, wie grausam MĂ€rchen wirklich sein können.
Denn als ein MÀrchen - wenn gleich auch ein sehr modernes - lÀsst sich dieser Thriller am besten beschreiben.
Er bietet einen bösen Wolf, wie auch arglose Zicklein, eine böse Hexe und einen mutigen Prinzen.
Schade ist nur, dass der Autor seine MĂ€rchenfiguren sehr oberflĂ€chlich handeln lĂ€sst und sie wenig tiefgrĂŒndig gestaltet hat.
Anders ist der Thriller aber auf jeden Fall und somit durchaus interessant und besonders.
Die Handlung ist gut strukturiert und klar, die Sprache verstÀndlich und ansprechend. Wie in einem MÀrchen notwendig wird das Geschehen sehr bildhaft und magisch dargestellt.
Die Art und Weise der AufklĂ€rung der TathintergrĂŒnde ist treffend gewĂ€hlt. Wer könnte eine Geschichte besser erzĂ€hlen als jemand, der sie selbst erlebt hat? So lĂ€sst der Autor Fiona & RĂłisĂ­n durch ihre TagebĂŒcher sprechen.
Schön ist auch, dass am Ende alle offenen Fragen stimmig geklĂ€rt worden sind und der Leser somit ĂŒber alle HintergrĂŒnde und Folgen bestens Bescheid weiß.
Einige unerwartete Geschehnisse sorgen zudem fĂŒr Spannung, wenn sie auch am Ende teils gestellt oder unglaubwĂŒrdig wirken, als ob der Autor die Lust verloren hĂ€tte.

Alles in allem ein gutes und stimmiges Buch, das durch seine sprachliche und methodische Gestaltung ĂŒber andere SchwĂ€chen hinwegsehen lĂ€sst. Ein Roman mit interessanten Figuren, die dem Buch das gewisse "Etwas" verleihen, nĂ€mlich eine mĂ€rchenhafte Erscheinung. Und wenn es nicht gelesen wurde, dann lesen wir es noch heute.


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 Betreff des Beitrags: Darling Jim von Christian Moerk
BeitragVerfasst: Mo 16. MĂ€r 2009, 18:04 
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Registriert: Fr 9. Jan 2009, 12:08
BeitrÀge: 14
Rendezvous mit einem Wolf

Der Postbote Desmond Kean findet drei Frauenleichen, die auf grausamste Art und Weise ums Leben gekommen sind. Erschlagen, vergiftet, an Ketten gefesselt. Die Bewohner des kleinen irischen Dorfs Malahide sind geschockt. "Sklavenschwestern von eigener Tante ermordet" schreibt die Presse. Fantasiegespinste der Journalisten oder Wahrheit? Eine KlÀrung erfolgt zunÀchst nicht. Das Dorf möchte mit den Morden nichts zu tun haben. Die Ermittlungen der örtlichen Polizei verlaufen im Sande.

Als Desmond von SchuldgefĂŒhlen geplagt den Ort verlĂ€sst, bekommt das Dorf einen neuen Postboten, den jungen Hobbyzeichner Naill Cleary. Aber auch dieser bleibt ihnen nicht lange erhalten. Kurz nachdem er inmitten der unzustellbaren Sendungen das Tagebuch von Fionah Walsh, einer der toten Fremden, findet, verliert er seinen Job. Er verlĂ€sst das Dorf, nunmehr mit einem neuen Ziel. Er möchte den Tod der Walsh-Schwestern aufklĂ€ren.

Hunger nach Liebe, das zeichnet die Frauen aus, die auf den Charme des MĂ€rchenerzĂ€hlers Jim Quick hereinfallen. Gut aussehend, charmant und mit dem gewissen Etwas zieht er sie in seinen Bann und bringt ihre Herzen zum Schmelzen. Tag fĂŒr Tag tingelt er durch die Pubs von Irland und erzĂ€hlt die tragische Geschichte eines Prinzen, der seinen Zwillingsbruder tötet und zur Strafe als Wolf weiterleben muss. Die ErzĂ€hlungen des charismatischen Wanderers gehen auch an den drei Walsch-Schwestern und ihrer Tante nicht spurlos vorbei und ebenso wie die anderen weiblichen Dorfbewohner, erliegen sie dem Charme des fremden Mannes. Eine Entwicklung, die fĂŒr sie verheerend enden soll.

Christian MĂžrk hat fĂŒr sein Buch „Darling Jim“ eine ungewöhnliche und interessante Art der ErzĂ€hlung gewĂ€hlt. Eingebettet in die AusfĂŒhrungen eines ErzĂ€hlers, hat er zwei TagebĂŒcher gestellt, die von den Opfern kurz vor ihrem Tod geschrieben wurden und auf ihre eigene Art und Weise die Geschehnisse erklĂ€ren. Ohne Kommissar oder Sonderkommission, nur durch das Engagement eines Postboten und der aufgefundenen TagebĂŒcher, werden dem Leser die Motive des Verbrechens und seine AufklĂ€rung nach und nach deutlich. Eine Geschichte, die an ein MĂ€rchen fĂŒr Erwachsene erinnert, aber in ihrer Grausamkeit seines gleichen sucht.

Nicht nur die ungewöhnliche Art der ErzĂ€hlung, auch der Schreibweise des Autors hat ĂŒberzeugt. Seite fĂŒr Seite enthĂŒllen die TagebĂŒcher der Schwestern die fĂŒr das VerstĂ€ndnis des Lesers notwendigen Fakten, ohne auf die Darlegung der GefĂŒhle und Sichtweisen der Opfer zu verzichten. StĂŒck fĂŒr StĂŒck entwickeln sich die Ereignisse und lassen sich letztendlich wie ein Puzzle stimmig aneinanderfĂŒgen. Aber bis es soweit ist, wartet der Leser voller Ungeduld auf das entscheidende Teil, das dem Ganzen einen Sinn verleiht. Leicht und flĂŒssig, ohne unnötige Ausschweifungen schafft es der Autor, eine gleich bleibende Spannung aufzubauen, welche es dem Leser leicht macht, das Buch in einem Zug durchzulesen.

„Darling Jim“ ist kein Thriller im herkömmlichen Sinn. Weder der typische rasante Spannungsaufbau, noch der dominierende psychologische Aspekt ist vorhanden. Es ist ein guter Roman mit kriminalistischen Elementen, der wie ein mystisches MĂ€rchen fĂŒr Erwachsene anmutet.

352 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-492-05256-6
Piper Verlag


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