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FirmengrĂŒndung mit mörderischen Folgen
Inhalt:
Vier junge Berliner, die sich schon seit ihrer Schulzeit kennen und beruflich bisher wenig Erfolg hatten, haben die Idee - sie grĂŒnden eine Entschuldigungsagentur. Firmen, die sich fĂŒr etwas entschuldigen wollen können die Freunde damit beauftragen. Kris & Wolf kĂŒmmern sich um die Praxis und ĂŒberbringen somit die Entschuldigungen, wĂ€hrend die beiden Frauen im Team sich mit Auftragsannahme, Koordination und DatenĂŒbermittlung beschĂ€ftigen. Das GeschĂ€ft boomt, die Freunde sind ĂŒberglĂŒcklich. Bis die Agentur ins Visier eines von SchuldgefĂŒhlen geplagten Mörders gerĂ€t, der in der GeschĂ€ftsidee der jungen Leute seine Rettung sieht. Und so steht Wolf eines Tages plötzlich vor einer Leiche - und der Mörder ist noch nicht fertig...
Meine Meinung:
Die Covergestaltung, so unscheinbar sich auch wirken mag, sagt eigentlich alles aus. Genau wie der Inhalt ist auch sie dunkel, dĂŒster und rabenschwarz.
Die 397 Seiten sind in achte Teile gegliedert, die jeweils noch in die Zeitabschnitte "Davor", "Dazwischen" und "Danach" unterteilt sind. Was diese Unterpunkte zu bedeuten haben ist lange unklar, doch nach und nach wird immer mehr Licht in die finstere Handlung gebracht, bis dann am Ende jeder kleinste Winkel hell erleuchtet ist. Im GroĂen und Ganzen gibt es zwei HandlungsstrĂ€nge, nĂ€mlich das Jetzt in Form der Agentur und der Morde, sowie das Damals mit der langsamen Auflösung der TathintergrĂŒnde. Die Handlung ist flieĂend, stimmig und absolut erschreckend und schockierend. Sie zieht den Leser in einen Bann, aus dem er sich genauso wenig befreien kann, wie die Freunde aus dem Netz des Mörders.
Die Protagonisten sind sehr vielschichtig, die vier Freunde dem Leser sehr vertraut gemacht. Man erfĂ€hrt viel ĂŒber sie, man freut sich mit ihnen und zittert mit ihnen. Man wird selbst ein Teil der Geschichte. Auf der anderen Seite stehen der Mörder und "Der Mann, der nicht da war". Die Vergangenheit des Mörders ist so grausam, das man fast schon Mitleid mit ihm bekommt. Seine Verzweiflung trifft den Leser. Der Mann dagegen ist ein weiterer dunkler Schatten in einem Psychospiel, das schon Jahre vor der jetzigen Handlung gespielt wurde.
Der anziehende Eindruck des Thrillers, der durch die Charaktere entsteht, wird auch durch die sprachlichen Mittel des Autors verstĂ€rkt. Der Schreibstil ist hart, deutlich, die Handlung bis ins kleinste Detail geschildert. Die Sprache ist lebendig, rasant und intensiv. Die lĂ€sst das Geschehen nah und erreichbar wirken. Das Thema des Buches ist nicht neu und vermutlich deswegen hat der Zoran Drvenkar eine faszinierende Verpackung dafĂŒr gewĂ€hlt. Die Haupthandlung wird in der 3. Person geschildert. Ist jedoch vom Mörder die Rede, so verwendet der Autor die 2. Person und scheint so den Leser persönlich anzusprechen und in das Buch einzuladen. FĂŒr kurze Abschnitte wechselt er auch in die 1. Person. Diese Perspektivenwechsel mögen vielleicht im ersten Moment verwirrend sein, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran und kennt man alle ZusammenhĂ€nge wird die Absicht dahinter deutlich.
Fazit:
Ein absolut begeisternder Thriller, der nicht nur durch den Inhalt, sondern auch dadurch besticht, dass er erfrischend neu ist. Der den Leser nicht mehr aus seinen FĂ€ngen lĂ€sst und erst wieder freigibt, wenn er zu Ende gelesen ist. Sollte es jemals wirklich eine Entschuldigungsagentur geben, wird Zoran Drvenkar ihre Dienst sicher nicht in Anspruch nehmen mĂŒssen, denn fĂŒr einen solchen Thriller, muss man sich nicht entschuldigen.
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