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 Betreff des Beitrags: Die Kritik der mörderischen Vernunft von jens Johler
BeitragVerfasst: So 28. Dez 2008, 15:55 
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Registriert: Do 6. Nov 2008, 15:28
BeitrÀge: 25
Philosophischer Wissenschaftsthriller vom Feinsten

Inhalt:
Der Wissenschaftsjournalist Troller wird ungewollt Teil eines mörderischen Plans, ein Mörder, der sich selbst Kant nennt, schickt ihm E-Mails und hinterlĂ€sst an den Tatorten Zitate aus Trollers Buch. Gemeinsam mit seiner LebensgefĂ€hrtin und Kriminaljournalistin Jane - die gerade einen eigenen Artikel ĂŒber einen Mörder in London schreiben wollte - beginnt er Nachforschungen anzustellen. Schnell fĂ€llt der Verdacht auf eine Gruppierung von TierschĂŒtzern, da das Opfer ein bekannter Hirnforscher war und mit Affen experimentiert hatte. Doch als ein weiterer Hirnforscher, der keine Tierversuche durchgefĂŒhrt hat, fast einem Anschlag zum Opfer fĂ€llt, kommen Zweifel an der Theorie auf. Troller und Jane sind sich aber sicher: Troller muss den Mörder kennen. Troller forscht weiter nach und kommt auf die Spur eines Clubs, der unfassbare Ziele verfolgt. Auch eine zwielichtige Firma die mit der CIA und dem Pentagon in Verbindung gebracht werden kann taucht immer wieder auf. Die beiden Journalisten geben nicht auf und bringen sich so bald selbst in große Gefahr...

Meine Meinung:
Die Covergestaltung des 533 Seiten unfassenden Romanes wirkt zunÀchst etwas langweilig, hat man dann aber das Buch gelesen ist sie absolut stimmig mit dem Inhalt. Wissenschaft und Philosophie verschwimmen in diesem Roman und bilden eine spannende Mischung, die Themen sind aktuell und interessant.
Der gut strukturierte Handlungsaufbau bewirkt eine gute Übersicht ĂŒber das Geschehen. Der Schauplatz des Buches ist Berlin, aber aufgrund verschiedener Ereignisse fĂŒhrt einen das Buch auch nach London, Potsdam, Bremen und Frankfurt.
Geschildert ist das Buch in der 3. Person, aber man erhÀlt Einblick in die Lebensweise aller Protagonisten und erlebt die Nachforschungen von seiten aller Beteiligter.
Die Sprache ist treibend und ansprechend, der Autor schafft es gleich von Beginn an den Leser zu fesseln und in den Sog des Buches zu ziehen. Die Stimmung wird zum Leser transportiert und die Spannung kontinuierlich aufgebaut, so dass am Ende aus einem Sog ein großer Strudel wird.
Ohne allzu viele Fachbegriffe wird dem Leser das Thema verstÀndlich gemacht und durch persönliche Ereignisse der Protagonisten wirkt das Buch auch nie trocken oder langweilig.
Die gut recherchierten Hintergrundinformationen erzeugen ein schlĂŒssiges und rundes Gesamtkomzept und lassen den Leser neue Seiten der Wissenschaft entdecken.
Die Protagonisten sind ĂŒberzeugend dargestellt, Troller ist oft unzufrieden mit dem was er tut, ist aber trotzdem gewissenhaft und verantwortungsbewusst. Jane ist kess und liebt es Listen zu erstellen, um auch nichts zu vergessen. Die beiden ergĂ€nzen sich beruflich ideal und geben so ein sympathisches Ermittlerduo. Die privaten Probleme stehen zum GlĂŒck im Hintergrund und bilden nur einen Kontrast zum eigentlich Geschehen.

Fazit:
Ein wirklich gelungener Wissenschaftsthriller, der von viel Philosophie begleitet ist und in dem viele ethische Grundfragen wie Euthanasie und Hirnforschung aufgeworfen und besprochen werden. Das die Fakten - wie im Nachwort es Autors erwÀhnt - recheriert sind und somit fast alle der Wahrheit entsprechen, ist erschreckend und faszinierend zu gleich. Faszinierend, weil es unglaublich ist wie weit die Wissenschaft schon ist und erschreckend weil aufgezeigt wird, was damit alles angerichtet werden könnte.
Es handelt sich um ein Buch, das wirklich zum Nachdenken anregt und die Frage aufwirft, ob nun unser "Ich" oder unser Gehirn entschieden hat, dieses Buch zu lesen.


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 Betreff des Beitrags: Die Kritik der mörderischen Vernunft von jens Johler
BeitragVerfasst: Mo 16. MĂ€r 2009, 18:15 
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Registriert: Fr 9. Jan 2009, 12:08
BeitrÀge: 14
Science-Thriller der Extraklasse

Angst kann einem schon ĂŒberkommen, wenn man das zweite Buch um das Journalistenduo Troller und Jane Anderson liest. Bereits in seinem ersten Buch, ĂŒbrigens da noch in Zusammenarbeit mit dem Sachbuchautor und PĂ€dagogikprofessor Olaf-Axel Burow, beschĂ€ftigte sich der Autor Jens Johler mit der Forschung rund um das Gehirn des Menschen und der kritischen Rolle der Moral in Wissenschaft und Forschung. Ein Thema, dessen VielfĂ€ltigkeit wohl auch den Autor nicht zur Ruhe kommen lĂ€sst.

Ein Mörder treibt sein Unwesen unter den Hirnforschern. Sein selbstgewĂ€hlter Name ist Kant, frei nach dem Philosophen Immanuel Kant. Aber nicht nur diesen hinterlĂ€sst er auf den Botschaften, die an den Tatorten gefunden werden, sondern auch AuszĂŒge aus einem Buch, welches der Wissenschaftsjournalist Troller minder erfolgreich veröffentlicht hat. Aber das ist bei weitem noch nicht alles. Bereits nach dem ersten Mord an einem bekannten Professor, der sich mit der Erforschung der Spiegelzellen im Gehirn beschĂ€ftigt, nimmt er via E-Mail Kontakt zu Troller auf. Doch die Zeit wird knapp. Kant ist nicht zu stoppen und es geschehen weitere Morde.

Bei dem Versuch Kant zu finden und damit die Top-Story zu schreiben, finden Troller und die Kriminalreporterin Jane, immer neue Ansatzpunkte. ZunĂ€chst nehmen sie radikale TierschĂŒtzer ins Visier, die sich gegen Affenversuche stellen. Aber auch ehemalige Probanden, Gewaltverbrecher und Soziopathen, die von der Hirnforschung ins UnglĂŒck getrieben wurden sowie enttĂ€uschte Kollegen, bleiben nicht verschont. Zuletzt wird sogar Troller selbst verhaftet. Doch der Mörder ist jemand ganz anderes und Troller ahnt nicht, dass er ihn schon lange kennt.

Nach der LektĂŒre des Buches war ich geschockt. Der Autor vollzieht in seinem Buch gekonnt eine Gratwanderung zwischen wissenschaftlicher Betrachtung und schriftstellerischer Fiktion, die erschreckend realistisch klingt. Obwohl ich bei weitem nicht alles verstanden habe, haben mir Wörter wie Gedankenkontrolle, PersönlichkeitsverĂ€nderung, Bewußtseinskontrolle oder auch Verhaltenssteuerung immer wieder einen Schauer ĂŒber den RĂŒcken gejagt und mich nachdenklich werden lassen.

Alles in allem ist "Kritik mörderischen Vernunft" ein hochinteressantes und sehr temporeich geschriebenes Buch ĂŒber ein aktuelles Thema, das der Autor mit viel Liebe zum Detail recherchiert hat. Mit einer an Perfektion grenzenden Leichtigkeit gelingt es ihm, Spannung mit wissenschaftlicher AufklĂ€rung und Philosophie zu verbinden. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, möchte aber die Leser unter uns warnen, die etwas zartbesaiteter sind.

400 Seiten,
ISBN: 9783548269542
Ullstein Taschenbuch Verlag


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Kritik der mörderischen Vernunft von jens Johler
BeitragVerfasst: Do 26. MĂ€r 2009, 22:16 
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Registriert: Do 26. MĂ€r 2009, 21:59
BeitrÀge: 16
Gibt es gerechtfertigte Morde? Wo verlĂ€uft die Grenze der Wissenschaft/Medizin. Ist Wissenschaft wirklich bloß dazu da, das Leben des Menschen zu verbessern? Und welche Mittel darf man dazu einsetzen? Darf man fĂŒr "einen guten Zweck" Stammzellenforschung betreiben? Hat der Mensch einen eigenen Willen? Das Buch bezieht sich auf teilweise sehr kritische und aktuelle, im Moment heiß debattierte Themen. Der Titel spielt meiner Meinung nach auf die Werke von Immanuel Kant an. Der Philsoph, der dem Mörder seinen Decknamen lieh, veröffentlichte im 18ten Jahrhundert "Kritik der praktischen Vernunft" und "Kritik der reinen Vernunft".


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Kritik der mörderischen Vernunft von jens Johler
BeitragVerfasst: Do 13. Aug 2009, 20:38 
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Registriert: Do 26. MĂ€r 2009, 21:59
BeitrÀge: 16
In das Buch wird gleich mit einem brutalen Mord an einem Wissenschaftler eingestiegen. Der Journalist Troller wird von dem Mörder, der sich selbst Kant nennt, kontaktiert. WÀhrend Troller mit einer anderen Journalistin versucht Kant zu stoppen, begeht dieser weiterhin bestialische Morde.

Immer wieder wird Fachwissen zu Hirnforschungen und dem Philosophen Kant, von dem der Mörder seinen Decknamen hat, eingestreut. Dabei merkt man auch, dass der Autor ein gewisses Hintergrundwissen besitzt. Doch niemals werden die Informationen langweilig oder gar ĂŒberflĂŒssig.

Die Spannung steigt durch das stĂ€ndige Handeln von Kant, der mit dem Morden nie eine Pause macht, kontinuierlich und reißt nie ab. Die ErzĂ€hlperspektiven wechseln sich ab, doch nach einiger Zeit greifen sie immer mehr ineinander ĂŒber und der Leser begreift, dass hier alles miteinander zusammenhĂ€ngt.

Das Thema Moral in der Wissenschaft wird öfter aufgegriffen und einige interessante DenkanstĂ¶ĂŸe werden gegeben.

'Kritik der mörderischen Vernunft' ist ein anspruchsvoller, beÀngstigend realistischer Thriller, der sowohl Philosophie- als auch Wissenschaftselemente enthÀlt.


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