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 Betreff des Beitrags: Der norwegische Gast von Anne Holt
BeitragVerfasst: Mo 5. Jan 2009, 16:51 
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Registriert: Do 6. Nov 2008, 15:28
BeitrÀge: 25
Frostiger Hotelaufenthalt mit Todesfolge

Inhalt:

In dem kleinen norwegischen Bergdorf Finse entgleist ein Zug mit ĂŒber 200 Menschen an Bord. Fast alle ĂŒberleben und ein Großteil von ihnen wird in einem nahegelegenen Hotel untergebracht. Das Dorf ist komplett von der Außenwelt abgeschnitten, denn ein Schneeturm tobt und macht alle Wege unpassierbar. Unter den Passagieren ist auch die ehemalige Polizistin Hanne Wilhelmsen, die seit einer Schießerei gelĂ€hmt ist und im Rollstuhl sitzt. Auch die bekannten Prediger Cato und Roar zĂ€hlen zu den HotelgĂ€sten. Schnell machen GerĂŒchte um geheimnisvolle Zugpassagiere die Runde, die im obersten Teil des Hotels schwer bewaffnet bewacht werden. Panik kommt auf und als dann Cato ermordet im Schnee gefunden wird, macht sich Hanne gemeinsam mit einem Anwalt, einem Arzt und der Hoteldirektorin auf die Suche nach den HintergrĂŒnden der Tat...

Meine Meinung:

Das Cover des neuen Kriminalromans von Anne Holt ist unscheinbar & ruhig, ĂŒbermittelt aber die Ă€ußeren, kalten UmstĂ€nde.
Die 318 Seiten sind in 12 Kapitel unterteilt, die wiederum aus einigen Unterkapiteln bestehen.
Leider bleibt die Handlung weitgehend flach und ist aufgrund der gewĂ€hlten ErzĂ€hlweise meist sehr eintönig. Das Geschehen wird nĂ€mlich aus Sicht von Hanne in der Ich-Form geschildert. Sie greift der Handlung oft vorweg und ihre RĂŒckblenden und Gedanken sind teils kompliziert und tragen wenig zum eigentlichen Geschehen bei.
Das Geheimnis um die Passagiere im Obergeschoss wirkt auf mich wie ein LĂŒckenfĂŒller, der zwar Einfluss auf die Entwicklung nimmt, aber doch wenig beitrĂ€gt.
Die Sprache ist umstÀndlich und oberflÀchlich, aber auch modern und den Charakteren angepasst.
Die Protagonisten sind leider auch sehr eben und haben wenig Tiefgang. Sie bleiben einem fremd und handeln teils wenig nachvollziehbar. Es wurde eindeutig mehr Gewicht auf die Handlung, als auf die Charakterzeichnung gelegt.

Fazit:

Ein Buch mit einigen SchwĂ€chen, das vielleicht durch mehr Spannung fĂŒr mehr Lesespaß gesorgt hĂ€tte. Denn die Idee ist nicht schlecht, die AusfĂŒhrung konnte mich aber nicht ĂŒberzeugen. Die Schreibweise ist gewöhnungsbedĂŒrftig.
Schade, denn Potenzial hat dieser Kriminalroman auf jeden Fall.


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 Betreff des Beitrags: Re: Der norwegische Gast von Anne Holt
BeitragVerfasst: Mo 16. MĂ€r 2009, 18:01 
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Registriert: Fr 9. Jan 2009, 12:08
BeitrÀge: 14
Eingeschneit mit einem Mörder

Winter 2007 in Norwegen. Ein heftiger Schneesturm tobt, als ein Zug mit 269 Passagieren, unterwegs von Oslo nach Bergen, entgleist. Bis auf den LokfĂŒhrer werden alle Passagiere lebend gerettet und in einem nahe gelegenen Berghotel in Finse untergebracht. Ein Kontakt zur Außenwelt ist nicht möglich und notgedrungen arrangieren sich die Eingeschlossenen mit der unausweichlichen Situation. FĂŒr Essen, Trinken und ein wenig Unterhaltung ist gesorgt, so dass genĂŒgend Zeit bleibt, sich mit Spekulationen um einen zusĂ€tzlich angehangenen Zugwaggon zu befassen, dessen Insassen mysteriös anmuten, die aber niemand zu Gesicht bekommen hat.

Unter den unfreiwilligen HotelgĂ€sten, immer ein wenig abseits im Rollstuhl sitzend, befindet sich die ehemalige Polizistin Hanne Wilhelmsen, die vor fĂŒnf Jahren im Rahmen eines Polizeieinsatzes schwer verletzt wurde. Seit ihrem Unfall hat sie sich vom Leben zurĂŒckgezogen und tritt den Menschen in ihrer Umgebung unhöflich, verschlossen und unfreundlich gegenĂŒber. Jede noch so gut gemeinte Hilfe lehnt sie schroff ab und verkriecht sich lieber in ihrem Schneckenhaus, ein Verhalten, das sich im Laufe des Geschehens und aufgrund der gegebenen Situation zunehmend schwerer bewerkstelligen lĂ€sst.

In der Nacht fallen die Temperaturen weiter, der Wind nimmt zu. Ein Ende des Sturms ist nicht in Sicht, als vor der TĂŒr, im Schnee liegend, eine Leiche entdeckt wird. Der Tote, ein extrovertierten Pastor, der durch vielfĂ€ltige Fernsehauftritte seine Bekanntheit und VolksnĂ€he akribisch gepflegt und gezielt ins rechte Licht gesetzt hat, ist erschossen worden. Nun ist es schlagartig vorbei mit der Ruhe im idyllischen Berghotel. Angst macht sich unter den Anwesenden breit, der Sturm zerrt an den Nerven der GĂ€ste und genau an diesem Punkt geschieht der nĂ€chste Mord.

Die ehemalige Polizistin Hanne Wilhemsen, deren Vorleben einigen der Anwesenden hinlĂ€nglich bekannt ist, gerĂ€t durch die Ereignisse immer mehr unter Druck. Man bittet sie, sich der Sache anzunehmen und die Verbrechen aufzuklĂ€ren, bevor die Situation eskaliert. In die Enge getrieben, stimmt sie mĂŒrrisch zu und versucht mit Hilfe der Hoteldirektorin und zwei weiterer GĂ€ste Licht in die Geschehnisse zu bringen. Hierbei bemerkt sie zum ersten Mal, dass ihre passive sitzende Position auch Vorteile mit sich bringen kann. Bedingt durch die ungewöhnliche Perspektive und die dadurch genommene Möglichkeit in Handlungen aktiv eingreifen zu können, erschließen sich ihr Dinge, die andere ĂŒbersehen. Ihre jahrelange, gut geschulte Beobachtungsgabe kombiniert sie geschickt mit systematischem Denken und so gelingt es ihr, die Morde aufzuklĂ€ren und den TĂ€ter ganz in Agatha-Chriestie-Manier letztendlich zu stellen.

Aber nicht nur die ungewöhnlich AufklÀrung des Verbrechens unter Einbeziehung eines breiten Publikums und der passiven Haltung der anwesenden Polizei, erinnert an die Romane der Autorin Agatha Christie. Auch die vielseitige Ausstattung der anwesenden Personen mit kuriosen Angewohnheiten, eigenwilligen Charaktere und dunklen Vergangenheiten, wie auch die Einbeziehung einer ungewöhnlichen Todesart, lassen den Leser unweigerlich an die psychologisch raffinierten Methoden von Miss Marple oder Hercule Poirot denken.

Anne Holt hat mit „Der norwegische Gast“ einen Kriminalroman geschrieben, der durch seinen leichten, flĂŒssigen Schreibstil lesenswert daherkommt, trotz alledem aber zu sehr an seine VorgĂ€nger erinnert. Die Idee, Personen von der Außenwelt abzuschneiden und sie gemeinsam mit einem Mörder einzuschließen, ist durch vielfĂ€ltige Romanvorlagen und Filme bereits ĂŒberstrapaziert und weist auch in diesem Buch keine neuen Nuancen auf. Hier kann man sich als Leser der Autorin nur wĂŒnschen, dass sie bei zukĂŒnftigen Romanen mit neuen AnsĂ€tzen brilliert. Ein weiteres Manko stellt der nicht durchgĂ€ngig vorhandene Spannungsbogen dar, der allerdings durch die gewĂ€hlte ErzĂ€hlform kompensiert wird. Bedingt durch die Nutzung der Ich-Perspektive erlaubt die Autorin einen tiefen Einblick in die Seelen- und GefĂŒhlswelt der Hauptprotagonistin und schafft es dadurch, dass die Geschichte einiges an Tiefgang erfĂ€hrt. Und genau dieser Tiefgang ist es, was den Leser dazu bringt, das Buch nicht aus der Hand zu legen.

Insgesamt ist „Der Norwegische Gast“ ein Buch, das man entspannt lesen kann, von dem der versierte Krimileser aber nicht zuviel erwarten sollte.

336 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-492-04693-0
Piper Verlag


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